Mit 13 oder 14 kann eine Freundschaft, die unerschütterlich schien, an einem Wochenende zerbrechen, aus einer Gruppe, die „wir" war, kann still und leise „die" werden, und Ihr Kind kommt vielleicht nach Hause und sagt, niemand verstehe es – oder geht wortlos direkt in sein Zimmer. Sie hören vielleicht von einer Mittagspause allein oder von der besten Freundin, die jetzt woanders sitzt. Das ist schmerzhaft mitanzusehen, und zugleich gehört es zu den ganz gewöhnlichen Erfahrungen der frühen Pubertät. Das meiste geht vorbei, und wie Sie reagieren, kann das Vorbeigehen leichter machen.
Warum das in diesem Alter passiert
In der frühen Pubertät wird Zugehörigkeit vom angenehmen Extra zum Grundbedürfnis. Die sozialen Systeme des Gehirns reagieren in diesem Alter ungewöhnlich empfindlich auf Zeichen von Annahme und Zeichen von Ausschluss, und außen vor zu sein, wird als echte Bedrohung erlebt statt als kleine Enttäuschung. Deshalb kann eine unbeantwortete Nachricht einen Teenager einen ganzen Abend lang niederdrücken, und deshalb funktioniert „Ignorier das einfach" nicht.
Gleichzeitig ordnen sich Freundschaften neu. In der Grundschule waren Freunde oft einfach die Kinder aus der Nachbarschaft. Mit 13 und 14 bilden sich Freundschaften um Interessen, Humor, Werte und die Identität, die Ihr Kind gerade ausprobiert, und all das verändert sich schnell. Gruppen zerfallen und formieren sich neu, und ein Kind, das sich kaum verändert hat, merkt plötzlich, dass die Gruppe ohne es weitergezogen ist. Nichts davon ist ein Urteil über Ihr Kind.
Enge Zweierfreundschaften können in diesem Alter sehr intensiv sein. Zwei sind monatelang unzertrennlich und zerstreiten sich dann heftig, und das Ende kann sich anfühlen wie ein Trauerfall. Der Wechsel auf die weiterführende Schule verstreut alte Freundschaften, und soziale Medien machen Status sichtbar: wer auf der Party war, wer im Gruppenchat ist, wer markiert wurde. Ihr Kind kann Ausgrenzung in Echtzeit mitverfolgen, vom eigenen Zimmer aus.
Zwei Dinge sollten Sie festhalten. Einsamkeit ist in diesem Alter häufig, schmerzhaft und meist vorübergehend; für die meisten jungen Menschen sieht das soziale Bild ein, zwei Jahre später ganz anders aus. Und manche Jugendlichen ziehen ein oder zwei enge Freunde einer großen Gruppe wirklich vor. Stille Zufriedenheit mit einem kleinen Kreis ist kein Problem, das gelöst werden muss.
Was hilft
Zuhören, ohne zu lösen, und das Gefühl benennen. Wenn Ihr Kind erzählt, dass etwas wehgetan hat, benennen Sie es zuerst: „Dass du aus dem Chat rausgelassen wurdest, hat richtig wehgetan." Dann warten Sie. Will es Ideen, fragt es danach; wollte es nur, dass Sie es wissen, haben Sie das Hilfreichste schon getan. Ein Teenager, der jedes Mal einen Plan serviert bekommt, erzählt irgendwann nichts mehr.
Helfen Sie Ihrem Kind, an mehr als einem Ort dazuzugehören. Wenn eine Gruppe die ganze soziale Welt ist, ist es eine Katastrophe, aus ihr herauszufallen. Ein Verein, ein Sport, eine Theatergruppe, ein Samstagsjob, gleichaltrige Cousins und Cousinen oder eine Online-Community rund um ein echtes Interesse wie ein Spiel, eine Fangemeinde oder Musikmachen bieten jeweils einen eigenen Ort der Zugehörigkeit. Online-Freundschaften können echte Freundschaften sein; die Sorgfalt ist dieselbe wie bei jedem Freund, den Sie nicht kennen: wissen, wo Ihr Kind seine Zeit verbringt, und im Gespräch bleiben. Zögert Ihr Kind, etwas Neues auszuprobieren, setzen Sie die Hürde niedrig: ein Termin, keine Verpflichtung wiederzukommen.
Begleiten Sie kleine Annäherungsschritte statt großer Vorhaben. „Such dir neue Freunde" ist für jeden eine zu große Ansage. Zerlegen Sie es in etwas, das am Dienstag passieren kann: „Frag Lena, ob sie am Freitag auch hingeht." „Setz dich heute zu den Leuten aus deinem Kunstkurs." Kleine Schritte gelingen öfter, und jeder Erfolg macht den nächsten leichter. Geht einer schief, behandeln Sie ihn als Information: „Lena hatte also keine Lust. Wer war sonst noch da?"
Machen Sie Ihr Zuhause zu einem Ort, an dem Ihr Kind ganz sicher dazugehört. Derselbe Platz am Esstisch, ein Sonntagsfrühstück, ein Abholen, auf das Verlass ist, ein Running Gag: Rituale sagen einem Teenager, dass hier zumindest sein Platz nicht infrage steht. Heißen Sie seine Freunde mit etwas zu essen und ohne Fragerei willkommen, und lassen Sie Ihr Kind sehen, dass Sie die Menschen mögen, die es mag.
Reden Sie nicht schlecht über die Freundin oder den Freund, der Ihr Kind verletzt hat. Es ist verlockend zu sagen, was Sie von jemandem halten, der Ihr Kind fallen gelassen hat oder nicht mehr antwortet. Widerstehen Sie. Freundschaften wechseln in diesem Alter; dieselbe Person ist vielleicht nächste Woche wieder da, und Ihr Kind wird sich an Ihre Worte erinnern und Ihnen beim nächsten Mal weniger erzählen.
Unterscheiden Sie zwischen einem Freund, der Anlass zur Sorge gibt, und einem, den Sie nicht ausgesucht hätten. Ein Freund, der laut, unordentlich oder einfach nicht Ihre Wahl ist, ist kein Problem. Ein Freund, der Ihr Kind verspottet, es von anderen isoliert, es zu Alkohol oder Drogen drängt oder es nach jedem Treffen spürbar schlechter zurücklässt, schon. Beim ersten sagen Sie nichts. Beim zweiten beschreiben Sie das Verhalten, das Sie sehen, und fragen, wie es sich für Ihr Kind anfühlt, statt die Freundschaft rundheraus zu verbieten.
Halten Sie Kontakt zur Schule, wenn Sie ein Muster beunruhigt. Wenn Ihr Kind jeden Tag allein isst, gezielt ausgeschlossen wird oder die Veränderung schon mehrere Wochen anhält, ist ein ruhiges Gespräch mit der Klassenleitung oder der Stufenleitung angemessen. Die Schule sieht das soziale Gefüge auf eine Weise, wie Sie es nicht können, und kann oft Sitzordnung oder Gruppen anpassen, ohne dass Ihr Kind herausgehoben wird.
Leben Sie Freundschaft und Versöhnung im eigenen Leben vor. Jugendliche lernen, wie Freundschaft funktioniert, indem sie zuschauen. Lassen Sie Ihr Kind sehen, wie Sie sich mit einer Freundin verabreden, die Verabredung einhalten, sich nach einer Meinungsverschiedenheit entschuldigen und freundlich über Menschen sprechen, die nicht im Raum sind. Wenn Sie selbst das Ende einer Freundschaft erlebt haben, kann es erleichternd sein, das kurz zu erzählen, ohne eine Lektion daraus zu machen.
Was Sie vermeiden sollten
Freundschaften einfädeln. Treffen mit dem Kind Ihrer eigenen Freundin zu arrangieren oder andere Eltern anzurufen, um einen Streit zu schlichten, funktioniert in diesem Alter selten und kann Ihr Kind furchtbar bloßstellen. Seine Freundschaften schließt es jetzt selbst; Ihre Aufgabe ist, das Spielfeld zu erweitern.
„Du findest schon neue Freunde" als ganze Antwort. Es stimmt, und darum geht es nicht. Zu früh gesagt, sagt es Ihrem Kind, dass die Freundschaft, um die es trauert, nicht wichtig war. Halten Sie erst den Verlust mit aus.
Online-Freundschaften als unecht abtun. Für viele Jugendliche, besonders für die, die sich in der Schule fehl am Platz fühlen, ist eine Online-Community rund um ein Interesse der Ort, an dem sie am meisten sie selbst sind. Begegnen Sie ihr mit demselben Interesse und derselben normalen Sorgfalt wie jeder anderen Freundschaft.
Einen Freund rundheraus verbieten. Solange es keinen echten Sicherheitsgrund gibt, beendet ein Verbot die Freundschaft meist nicht, sondern verlegt sie aus Ihrem Blickfeld, und Ihr Kind lernt, Dinge vor Ihnen zu verbergen. Setzen Sie stattdessen Grenzen bei Aktivitäten und Orten.
Verhöre nach der Schule. „Neben wem hast du gesessen? Hat jemand mit dir geredet?" jeden Nachmittag macht aus einem einsamen Tag eine verpatzte Prüfung. Fragen Sie einmal, beiläufig, und lassen Sie den Rest nebenbei kommen, im Auto oder beim Gutenachtsagen.
Ihr Kind zum Familienprojekt machen. Ein Teenager, der spürt, dass sich der ganze Haushalt um sein Sozialleben sorgt, schließt daraus, dass das Problem größer sein muss, als er dachte. Halten Sie Ihre Sorge weitgehend im Hintergrund und den Rest des Alltags normal.
Wann Sie Hilfe suchen sollten
Sprechen Sie mit Ihrer Kinder- und Jugendärztin, Ihrem Hausarzt, einer Psychologin oder der Schule, wenn:
- Einsamkeit oder Ausgrenzung mit gedrückter Stimmung, Rückzug von früher geliebten Dingen oder Veränderungen bei Schlaf oder Appetit einhergehen, die länger als ein paar Wochen anhalten;
- Ihr Kind anfängt, die Schule zu verweigern;
- Sie Anzeichen von Mobbing sehen: wiederholtes gezieltes Angreifen, Nachrichten oder Posts, die bloßstellen sollen, beschädigte Sachen, unerklärliche Verletzungen oder Angst vor bestimmten Orten oder Personen. Beziehen Sie die Schule früh ein;
- Ihr Kind gar keine Freunde hat, auch keine haben möchte und dies mit weiteren Schwierigkeiten im Alltag zusammenkommt;
- es davon spricht, sich etwas anzutun, so redet, als sei alles hoffnungslos, oder Sie Anzeichen von Selbstverletzung finden. Holen Sie sofort professionelle Hilfe; wenn Sie glauben, dass Ihr Kind in Gefahr ist, wählen Sie den Notruf.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC), „Positive Parenting Tips: Young Teens (12–14 years)"
- American Academy of Pediatrics, HealthyChildren.org, „Stages of Adolescence"
- U.S. Department of Health and Human Services, StopBullying.gov, „What Is Bullying"